Wer nach einer Augenlidstraffung mit Botox sucht, meint damit oft zwei ganz unterschiedliche Behandlungen zugleich: die operative Entfernung von überschüssiger Lidhaut und die Entspannung der Augenmuskulatur durch Botulinumtoxin. Beides betrifft die Augenpartie, beides wirkt verjüngend, die Wege dahin unterscheiden sich aber grundlegend.
Botox entfernt keine Haut. Der Wirkstoff blockiert die Nervenimpulse zum Musculus orbicularis oculi, dem Ringmuskel rund ums Auge, wodurch dieser sich weniger stark zusammenzieht. Das glättet Krähenfüße, die feinen Fältchen am äußeren Augenwinkel, und kann bei gezielter Injektion in den seitlichen Bereich der Augenbraue einen leichten Lifting-Effekt erzeugen:
Der äußere Brauenrand hebt sich minimal an, das Auge wirkt offener. Genau dieser Effekt wird umgangssprachlich oft als „Lidstraffung mit Botox“ bezeichnet, obwohl medizinisch korrekt von einer Botulinumtoxin-Behandlung der periorbitalen Muskulatur die Rede ist.
Wo tatsächlich überschüssige Haut über dem Lid hängt oder Fettpölsterchen die Kontur stören, kommt Botox an eine Grenze.
Ablauf der Behandlung
Die Injektion selbst dauert wenige Minuten. Nach einer kurzen Beratung und je nach Wunsch einer betäubenden Creme setze ich die Nadel in mehreren kleinen Punkten seitlich des Auges, in der Regel drei bis vier Punkte pro Seite, dosiert nach Muskelaktivität und Faltentiefe. Ein Zwicken, kein starker Schmerz. Direkt danach ist man wieder gesellschaftsfähig, ich rate aber für die ersten 24 Stunden von Sport, Sauna und starker Sonneneinstrahlung ab, weil sich das Toxin in dieser Phase noch am Zielmuskel bindet.
Die ersten Effekte zeigen sich nach zwei bis fünf Tagen, die volle Wirkung nach etwa zwei Wochen. Sie hält im Schnitt drei bis sechs Monate, danach baut der Körper das Botulinumtoxin vollständig ab und die Muskulatur arbeitet wieder wie zuvor.
| Kriterium | Botox | Operative Lidstraffung |
|---|---|---|
| Wirkt gegen | Mimikfalten, leichtes Hängen der äußeren Braue | Überschüssige Haut, Fettpolsterchen |
| Eingriffsausmaß | Injektion, keine OP | Chirurgischer Eingriff |
| Ausfallzeit | Keine | 10–14 Tage, abhängig von der Heilung |
| Wirkdauer | 3–6 Monate | Etwa 10 Jahre |
| Kosten | Ab ca. 250 Euro, je nach Umfang | Abhängig vom Aufwand zwischen 2.400 und 4.500 Euro, z. B. bei zusätzlicher Brauenhebung |
Bei stärker ausgeprägter Erschlaffung reicht Botox allein nicht aus, eine Kombination aus beidem ist möglich und in meiner Praxis nicht selten: Botox glättet die Mimikfalten, die OP entfernt das, was Botox nicht erreicht.
Verlässliche Zahlen speziell für Österreich sind rar, die deutsche Nachbarschaft liefert aber einen guten Anhaltspunkt:
Laut der laufenden Patientenumfrage der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) liegt die Behandlung mimischer Falten mit Botox 2025 auf Platz eins aller nachgefragten Eingriffe, mit steigender Tendenz auch bei Patientinnen unter dreißig.
Der DGÄPC-Präsident Dr. Helge Jens weist darauf hin, dass Praxen zunehmend mit Komplikationen nach Botox-Behandlungen zu tun haben, ein Punkt, den ich Patientinnen bei der Beratung offen anspreche.
Der Grund dafür liegt selten im Wirkstoff selbst, sondern in der Ausführung. Die Augenpartie verzeiht wenig: Wird zu viel Toxin gesetzt oder der falsche Punkt getroffen, kann das Lid herabhängen (Ptosis) oder die Brauenkontur asymmetrisch wirken. Diese Region gehört in erfahrene Hände. Wer die fachärztliche Qualifikation der Behandlerin oder des Behandlers prüfen möchte, findet Orientierung bei der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie (ÖGPRÄC).
In meiner Praxis reduziere ich die Dosis in diesem Bereich bewusst gegenüber anderen Zonen im Gesicht, gerade beim ersten Termin setze ich lieber etwas weniger und schaue nach zwei Wochen nach, ob nachdosiert werden soll.
Eine Patientin kam kürzlich mit dem Wunsch nach einem sehr ausgeprägten Lifting-Effekt zu mir, bei der ich ihr aber offen gesagt habe, dass ihr Hautüberschuss über eine Injektion hinaus eine operative Lösung braucht, wir haben dann gemeinsam entschieden, zunächst mit Botox zu starten und die OP später zu besprechen.
Botox an den Augen eignet sich für Patientinnen mit beginnender bis moderater Faltenbildung, bei denen die Haut selbst noch elastisch ist und kein nennenswerter Hautüberschuss vorliegt. Wer bereits über schwere Lider klagt, die das Sichtfeld einschränken, oder deutlich sichtbare Fettpölsterchen hat, wird mit einer Injektion allein enttäuscht sein. Eine ehrliche Beratung vor der Behandlung erspart genau diese Enttäuschung.
Ob Botox reicht oder eine operative Lidstraffung der bessere Weg ist, lässt sich am zuverlässigsten im persönlichen Gespräch klären. In der Erstberatung schaue ich mir Ihre Augenpartie an, bespreche mit Ihnen realistische Ergebnisse und sage Ihnen offen, wovon ich abrate.
Dr. Sara Abayev ist Fachärztin für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie mit über 15 Jahren medizinischer Erfahrung, umfassender klinischer und wissenschaftlicher Expertise sowie einem klaren Fokus auf natürliche, evidenzbasierte Ergebnisse.